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  Geburt hinter Gittern
 

Heutzutage steht die artgerechte Haltung von Tieren hoch im Kurs und das ist auch gut so!  

Der artgerechten Haltung von Tieren sollte m. E. bereits vor der „Geburt hinter Gittern“ Beachtung geschenkt werden.

Viele Tiere sind Rudeltiere und müssen daher auch im Rudel gehalten werden!  

Die Rudelhaltung wird von vielen Züchtern jedoch durch Käfigeinzelhaltung unterbunden und unterdrückt. 

Warum ist das so??? Die Antwort liegt auf der Hand. Der Kommerz und das Ansehen stehen im Mittelpunkt unseres Lebens. Tiere werden oftmals im großen Rahmen vermehrt um einen finanziellen Nutzen daraus zu ziehen (im kleinen Rahmen kann man keinen Gewinn erzielen!) oder aber um sich selbst, sein Können, seine Beliebtheit und sein Vermarktungspotenzial unter Beweis zu stellen.  

Ein Züchter der seine Tiere jede Saison austauscht, weil die Farben oder Formen seiner „Alttiere“ nicht mehr „in“ sind, kann seine Tiere nicht artgerecht halten.

Ein Rudel in dem sorglose und wohlbehütete Jungtiere heranwachsen können, lässt sich nicht ohne weiteres jede Saison mit neuen Tieren bilden. Funktionieren würde diese Rudelneubildung schon, wenn man eigens gezüchtete Tiere behalten würde und mit diesen Nachzuchten ein wirkliches Zuchtziel (unter Zuchtziel meine ich wohl kaum den Kommerz oder das Prestige) verfolgen würde.

Einzelne Fremdzukäufe zur Blutauffrischung oder Einkreuzung wären dann für ein solides Rudel kein Problem! 

Der Mensch ist leicht beeinflussbar. Daher ist es auch mir anfangs unweigerlich passiert, dass ich mich bei der Kaninchenhaltung/-vermehrung an den Machenschaften der falschen Menschen orientiert habe.  

Gott sei Dank habe ich durch liebe Züchterinnen in meiner nächsten Umgebung noch rechtzeitig die Kurve bekommen.  

Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als ich zum ersten Mal sah, wie zwei weibliche Häsinnen in einem Stall die Nachzuchten aufzogen. Bislang hatte ich eine solche Haltung noch bei keiner Züchterin gesehen und mir wurde auch tunlichst davon abgeraten. Die Züchterinnen, die ich bis zu diesem Zeitpunkt besuchen durfte, hatten ihre Ausläufe nur zum Schein oder als eingezäunten Fleck, wo sie ungestört die Bilder ihrer Tiere für das Internet aufnehmen konnten.  

Ab diesem Zeitpunkt stand für mich fest, kein Tier in unserem Haus sollte sein Leben alleine hinter Gittern verbringen müssen.

Nachzuchten werden nicht separiert sondern ohne Bedenken integriert. 

Meinen ersten Versuch startete ich mit einer tragenden und einer hitzigen Häsin in einem gemeinsamen Stall. Noch vor der Geburt bibberte ich jeden Tag, ob denn alle Jungtiere unbeschadet durchkommen würden. Meine Ängste waren überflüssig! Die Häsinnen bauten zusammen ein Nest, bewachten die Tiere abwechselnd und zogen alle 8 Jungtiere ohne jegliche Zwischenfälle auf.

Meinen zweiten Versuch startete ich im Freigehege mit vier Häsinnen und einem Kastraten. Ich stellte Wurfboxen ins Gehege, da meine Häsinnen bereits mehrfach hiervon Gebrauch gemacht hatten.

Nach diesem Versuch wusste ich, dass es nichts Natürlicheres gibt, als das Leben selbst.

Fortan verzichtete ich auf die Wurfboxen oder die Verpaarung von nur einer Häsin im Rudel.

Meine Kaninchen erinnerten sich, was sie eigentlich sind. Sie buddelten ihre Nester selbst aus dem Boden und die Jungtiere kamen artgerecht zur Welt.













Für mich ist dies keine Besonderheit mehr, sondern Natur Pur.  

Es macht Spaß die Kleinen mit den Großen spielen und toben zu sehen.





Unsere Hündin ist dann immer mit von der Partie und darf ebenfalls ohne Bedenken ins Gehege. Anfangs ist das natürlich etwas stressig für die Jungtiere. Sie lernen jedoch ganz schnell von den Alttieren, dass auch ein ungestümer Hund mit einer ziemlich feuchten Zunge keine Bedrohung darstellen muss.

Nachtrag: Vielen lieben Dank für die vielen Zuschriften, die ich aufgrund dieses Artikels erhalten habe.
Sowohl Kritik, als auch Lob werden von mir sehr Ernst genommen.
Ich werde demnächst diesen Artikel mit den Antworten auf eure Fragen ergänzen. Weitere Stellungnahmen, Anregungen und Kritiken sehe ich erfreut entgegen .

Vielleicht antworte ich zuerst einmal auf die Frage, wie ich, als Züchterin, auf die Idee kam eine natürliche Zucht ins Leben zu rufen.

Als gute Züchterin beobachtet man ständig seine Tiere und sollte „Ungereimtheiten“ feststellen, noch bevor sie überhaupt zum Vorschein kommen. So beobachtete ich eine trächtige Häsin, die vor ihrem Wurf ruhe- und rastlos in ihrem Käfig rum sprang. Ein Nest wurde gebaut und wieder zerstört, sie scharrte ständig mit ihren Pfoten über den Boden und auf der Wurfkiste herum. Dies ging über gute zwei Wochen so. Die Babys verwarf sie und zerstreute sie quer im Stall. Die Äußerung, dass Mütter ihren Nachwuchs im Stall verstreuen hatte ich bereits von anderen Züchterinnen gehört. Scheinbar hatte sich aber bislang keiner Gedanken darüber gemacht oder keine Konsequenzen daraus gezogen?!

Aufgrund meines Zuchtbuches und den Einträgen im Selbigen kam ich zu dem Entschluss, dass die Häsin ihre natürliche Umgebung und den Drang nach einem natürlichen Kaninchenbau vermisste.

Da mein Außengehege sowohl von Weiblein als auch von Kastraten bewohnt wird, war es kein Problem diesen Versuch der „natürlichen Geburt und Aufzucht“ zu wagen.

Zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin fing die Häsin an, einen passenden Ort im Außengehege zu suchen. Einige Versuche eine Höhle zu bauen wurden gestartet und vom Rudel in Augenschein genommen. Endlich war der passende Ort gefunden. Stunden war die Dame damit beschäftigt Erde aus dem Boden zu buddeln und ein Heim für den Nachwuchs zu schaffen. Als die Arbeit getan war, wurde die Höhle wieder verschüttet. So, dachte ich mir, das war es nun mit der Geburt im Freigehege. Doch ich hatte weit gefehlt. Tage später wurde die Höhle wieder geöffnet und eifrig Nistmaterial hinein geschafft. Ich fragte mich, wo die Häsin das alles unterbringen will, doch sie tat es. Ich kontrollierte das Loch, jedoch ohne Erfolg. So lange Arme, wie sie eine Höhle gebuddelt hatte, habe ich leider nicht. Am Tag vor dem errechneten Termin war die Häsin morgens außergewöhnlich ruhig und gelassen, man konnte die Babys im Bauch sehen und spüren (Es soll ja Züchterinnen geben, die ihren Häsinnen überhaupt nicht anmerken, dass sie trächtig sind. Das ist mir vollkommen unverständlich, da das Tier sich in seinem Verhalten und in seiner Art schon kurz nach der Aufnahme verändert.) Nachmittags hatte sich bei ihr noch nicht viel getan, außer dass die Gruppe stets um sie herum war und sie beleckte, auch beim Fressen räumte man ihr den Vorrang ein. „Das Wunder Natur“, wie ich so bei mir dachte. Gegen Spätnachmittag war es dann soweit. Das Verhalten der Gruppe hatte sich massiv verändert, unsere Hündin stand jammernd vor dem Kaninchenbau und die Häsin bekam ihre Jungtiere. Gegner dieser Methode warfen ein, dass hier keine Nestkontrolle durchgeführt werden kann und somit keine Hygienemaßnahmen ergriffen werden können. Leute, Leute, sind wir doch mal ehrlich, wer kontrolliert denn schon die Natur. Natürlich werden tote oder kranke Tiere entweder von der Häsin gefressen, oder aber sie legt sie vor die Höhle, damit ich sie dann entsorgen kann. Ein anderes Thema ist natürlich, was passiert mit dem Nest unter der Erde und wie will ich dem Verrottungsprozess auf so kleinem Gebiet Herr werden. Nicht jede Häsin hat den Drang unterirdisch zu gebären. Ich ermögliche es ihnen nur! Wer seine Tiere kennt und beobachtet, weiß, welche Häsin wofür geeignet ist. Stelle ich fest, dass die Häsin keinen Platz findet um ihr Nest zu bauen, dann wird sie kurz vor der Niederkunft aus der Gruppe genommen und kann ihre Jungtiere in aller Ruhe alleine oder aber mit einer zweiten Häsin im Stall großziehen.

Wichtig ist einfach, dass es für meine Tiere kein MUSS ist, alleine in einer kleinen Box, genannt Stall, Babys zu bekommen und dahin zu vegetieren.

Aber zurück zu der unterirdischen Geburt im Freigehege. Man ist ja nun gespannt. Wie viele Babys sind es, werden sie wachsen und gedeihen, spielt das Wetter mit, erfrieren sie vielleicht, ist es zu regnerisch und der Boden zieht durch und so weiter und so weiter. Jeden Morgen konnte ich beobachten, dass das Loch neu verschüttet worden war, woraus ich folgerte, dass ja jemand daran gebuddelt haben musste. Zwei Woche ging diese Prozedur Tag ein Tag aus. Nach zwei Wochen war die Höhle plötzlich offen. Doch nichts geschah! Der Häsin sah man an, dass sie am Bauch gerupft war, die Zitzen zum säugen benutzt wurden, aber weit und breit waren keine Babys in Sicht. Sollte der Versuch doch misslungen sein?

Weit gefehlt! Ich beobachtete die Häsin, wie sie sozusagen in das Loch hinein horchte, es immer wieder im Auge behielt, es kontrollierte, wenn ich drum herum sauber gemacht hatte. Näherten die anderen Tiere sich dem Loch, wurden sie direkt von der Häsin verjagt. Keiner der anderen Kaninchen kroch mehr in das Loch. Und dann eines Tages, noch bevor die Babys 3 Wochen waren, schaute ich in das Loch und eine kleine Gestalt mit großen Augen schaute mir entgegen. Wir beide erschraken dermaßen, dass ich mich auf den Hintern setzte und der kleine Zwerg sich wieder in sein Loch verkroch.

Einige Tage gingen ins Land und ich fragte mich, wie wohl das Rudel auf die Kleinen reagieren würde. Ein blöder Gedanke, wie mir dann bewiesen wurde. Die Kleinen waren ab ihrer Geburt Teil des Rudels! Sie verließen ihr Nest und waren mitten im Rudel. Sie wurden geputzt, und gejagt, geliebt und vertrieben, genauso wie alle anderen auch. Die Natur macht keinen Unterschied zwischen jung oder alt, groß oder klein……

Das Leben sucht sich einen Weg, Leben entsteht und entwickelt sich…. und, wie ich glaube, diese Tiere sind sozialer und unkomplizierter, verschmuster und kompromissbereiter als jedes andere Tier, was fern von seinem Ursprung gezüchtet und aufgezogen wird!

Sorry, natürlich füge auch ein paar Bilder an.

Hier einige Schnappschüsse vom aktuellen Wurf!










 
   
 
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